10 Jahre Datenschutz-Schülerworkshops – Kugelmann: Jedes Kind und jeder Jugendliche sollte über ein gewisses Datenschutz-Grundwissen verfügen

Vor genau zehn Jahren, am 22. September 2010, ist in Rheinland-Pfalz der erste Datenschutz-Schülerworkshop des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (LfDI) durchgeführt worden. Seitdem haben Honorarkräfte in 4.728 Workshops Schülerinnen und Schüler in Fragen des digitalen Selbstdatenschutzes informiert. Ziel des Projekts ist es, junge Menschen für einen sichereren Umgang mit Daten im Internet zu sensibilisieren und vor Gefahren zu schützen.

Der Landesdatenschutzbeauftragte, Professor Dieter Kugelmann, betont: „Die Schülerworkshops haben sich zu einem festen Bestandteil der Medienkompetenzbildung des Landes entwickelt. Es sind mittlerweile rund 125.000 Schülerinnen und Schüler erreicht worden. Kommendes Jahr wird der 5000. Workshop stattfinden. Medienkompetenzvermittlung hat in Rheinland-Pfalz eine lange Tradition. Die Workshops  leisten einen wichtigen Beitrag, den Schülerinnen und Schülern digitale Souveränität beizubringen und sie zu aufgeklärten Onlinern zu machen. Je mehr Informationen gesammelt und gespeichert werden, desto wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den eigenen Daten. Im Informationszeitalter sollte jede Schülerin und jeder Schüler über ein gewisses Datenschutz-Grundwissen verfügen.“

In den ersten Jahren sind rund 300 Workshops pro Jahr angefragt und durchgeführt worden, die Zahl ist mittlerweile auf über 500 angestiegen. Um diese Zahl an Veranstaltungen durchführen zu können, hat der LfDI ein Team aus rund 20 Referentinnen und Referenten eigens ausgebildet. Diese werden in regelmäßigen Schulungen pädagogisch, rechtlich und technisch fortgebildet.

Die Workshops können für die Schulen kostenfrei stattfinden, weil sie zu großen Teilen durch das rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerium gefördert werden. Das Ministerium stellt allein in 2020 und 2021 jeweils rund 100.000 Euro zur Verfügung. Auch der LfDI trägt mit eigenen Haushaltsmitteln zur Finanzierung der Workshops bei. Politikerinnen und Politiker haben die Gelegenheit genutzt, anlässlich besonderer Jubiläumsworkshops mit den Schülerinnen und Schülern über deren Internetnutzung zu diskutieren: Ministerpräsidentin Malu Dreyer war im Jahr 2014 in einem Workshop in Trier zu Gast und tauschte sich mit einer Klasse über digitale Bildung aus.

Wurden die Workshops anfangs nur in weiterführenden Schulen angeboten, folgte später die Ausweitung auf den Bereich der Grundschulen. Ebenso fanden Workshops in Jugendstrafvollzugsanstalten sowie Familienbildungseinrichtungen statt. Mittlerweile werden auch Elternabende in Kitas angeboten, um Eltern von kleinen Kindern für den Datenschutz zu sensibilisieren.

Die Schülerworkshops behandeln Themen wie Datenschutz als Bürgerrecht, Geschäftsmodelle von Sozialen Netzwerken, Selbstdatenschutz, Smartphones und Apps sowie aktuelle datenschutzpolitische Fragen. Um diese Inhalte alters- und zielgruppengerecht vermitteln zu können, wurden beim LfDI pädagogische Fachkräfte beschäftigt und eine eigene Stelle hierfür geschaffen. Sämtliche pädagogischen Konzepte wurden als freie Lernmedien (OER) veröffentlicht und stehen somit auch Lehrkräften beispielsweise für eine Vertretungsstunde zur Verfügung. Zentrale Plattform der Wissensvermittlung ist die gemeinsame Jugendseite der Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder und des Kantons Zürich www.youngdata.de, die vom LfDI gehostet und redaktionell betreut wird.

War Rheinland Pfalz mit der Idee der Datenschutzworkshops für Schulen im Jahr 2010 Vorreiter, so bieten mittlerweile auch andere Länder wie das Saarland Workshops für die junge Zielgruppe an. Inhaltich werden die Themen ständig an neue Entwicklungen angepasst. Während beispielsweise vor zehn Jahren nur wenige Schülerinnen und Schüler über Smartphones verfügten, sind diese mittlerweile zum Hauptkommunikations- und Informationsmedium geworden. Dementsprechend geht es in den Workshops mittlerweile viel um Handynutzung und Apps. Das Thema „Recht am eigenen Bild“ ist durch die Handys zu einem viel größeren Problem an den Schulen geworden, weshalb der LfDI hierzu unlängst ein Erklärvideo sowie einen eignen Flyer herausgegeben hat.

Im vergangenen Schulhalbjahr, während der Corona-Pandemie, mussten viele Workshops verschoben werden; einige fanden in kleineren Gruppen parallel bzw. nacheinander statt. Mit Beginn des neuen Schuljahres sind die Workshops in Präsenz wieder angelaufen. Auch weiterhin können Schulen neue Workshops beantragen. Für die Zukunft arbeitet der LfDI an einem Konzept für „Workshop im Homeschooling“, und es werden entsprechende Online-Module erstellt.

Links:

-              Antragsformular für einen Schülerworkshop

-              Flyer „Datenschutz aus erster Hand

-              Links zu Methoden und Konzepten auf YoungData

-              Flyer und Video „Recht am eignen Bild

-              Chronologie „10 Jahre Schülerworkshops